Nachdem ich vor etwas über zwei Jahren die European Bartender School in Phuket abgeschlossen hatte, hatte ich die Chance, an verschiedenen Orten zu arbeiten und durstige Menschen glücklich zu machen. Vor EBS hatte ich absolut keine Erfahrung in der Barkeeper-Branche, aber seitdem habe ich bereits Cocktails in vielen Clubs rund um Turku gemixt. Ich habe alles, was ich über die Branche wissen muss, an der EBS gelernt und ich war bereit, Teil der größten Familie in Turku zu sein – der Familie der Barkeeper.

Schweiß und Spaß bei der Arbeit
Meinen ersten Barkeeper-Job hatte ich bei einem Personalleasing-Unternehmen. Ich arbeitete bei den unterschiedlichsten Gigs mit, die normalerweise in einem Hotel/Spa Caribia stattfanden. Dort gab es alle möglichen Events, angefangen von Samba-Festivals bis hin zu Stand-up-Comedyclubs. Einmal fand im Poolbereich des Caribia ein riesiger Rave statt, der es sogar in die Nachrichten schaffte – es war eine verrückte Party mit zuviel nackter Haut, Alkohol und anderen Rauschmitteln.

Der Schweiß bekommt eine ganz neue Bedeutung, wenn man 13 Stunden am Stück in der feuchten Pirate Bar arbeitet, die sich an den Whirlpools befindet, und dabei von tausenden feierwütigen Technofans umgeben ist. Es war trotzdem sehr spaßig und wir bekamen witzigerweise sehr viel Trinkgeld, weil die Kunden ihr Geld in „Piratengeld“ tauschen sollten. Sie verstanden nicht, wie viel das Piratengeld wert war und gaben deswegen seeeehr viel mehr Trinkgeld, als sie wahrscheinlich vorhatten! Nicht, dass wir uns beklagt hätten…

Da ich jeden Abend auf solch unterschiedlichen Events gearbeitet hatte, musste ich mich schnell umstellen. Zum Glück habe ich von den Besten gelernt, da ich einige Schichten bei den Pool-Partys der EBS auf meinem Konto hatte. Bei den Events, auf denen ich gearbeitet hatte, gab es üblicherweise nur eine sehr begrenzte Anzahl von Spirituosen zum Arbeiten. Bei der EBS haben wir jedoch gelernt, wie verschiedene Spirituosen schmecken, sodass ich wusste, wie ich einige davon durch andere ersetzen kann.

hotel bors working

Hotel Börs

Barkeeping und Smalltalk in Börs
Mein erster Vollzeitjob als Barkeeperin war in der Lobbybar eines Geschäftshotels namens Börs. Kunden in einem internationalen Umfeld können recht ansspruchsvoll sein, aber ich wusste sehr gut, was ich tat, welcher Whisky am rauchigsten ist und welcher Likör nach Anis schmeckt sowie alles andere dazwischen. Kompliment an den 4-Wochen-Kurs 🙂

Während meiner Arbeit in Börs habe ich mir auch die Kunst des Smalltalks angeeignet. Wie ihr wisst, halten wir Finnen untereinader keinen Smalltalk. Wenn man einen Fremden im Bus anspricht, wird man als „Freak“ abgestempelt. Wenn wir nackt in der Sauna sind (ja, wir können durchaus nackt unter Fremden sein, aber wir reden dabei nicht mit ihnen), bittet mal ein besonders mutiger Zeitgenosse darum, die Hitze etwas höher zu drehen. Aber das war es dann auch.

So vorbelastet wie ich war, musste ich den Smalltalk erst mühsam erlernen. Zwar ist aller Anfang schwer („Hey, wissen Sie, warum im Hemingway Daiquiri kein Zucker drin ist? Nein? Also, es liegt daran, dass der Mann Diabetiker war! Was sagen Sie dazu? Es ist Ihnen egal? Hm, also… nagut.“), aber ich begriff schnell und lernte zu unterscheiden, wer in Ruhe gelassen werden wollte und wer sich unterhalten wollte. Ach ja, unterbreche niemals einen Finnen mit ein bisschen Smalltalk, wenn er gerade dabei ist, etwas Wichtiges zu tun, wie aus dem Fenster zu schauen. So bringst Du Dich auf jeden Fall um Dein Trinkgeld!

Pouring mit gutem Tempo!
Nach Börs fing ich in einem Nachtclub names „The Showroom“ an. Ich hatte bereits ein paar Gigs in anderen Clubs rund um Turku, aber der Showroom war mein erster richtiger Nachtclub-Job. Die Arbeit in einem brummenden Nachtclub ist vollkommen anders, als in der Lobbybar. Ich musste viel schneller arbeiten. Das war der Punkt, an dem sich mein Training an der EBS richtig bemerkbar machte: ich „kannte“ meine Cocktails und meine Hände waren schnell mit neuen Aufgaben vertraut. Die Ausbilder, die Dir in schneller Reihenfolge die Bestellungen entgegenschmettern, sind den Kunden in einer echten Bar sehr ähnlich. Der einzige Unterschied bestand darin, dass sich die Gesichter immer änderten, was die Schicht lustiger machte.

my man is jack daniel

Jack Daniel’s

Ängste überwinden
Rückblickend kann ich sagen, dass ich etwas geschafft habe, von dem ich es niemals geglaubt hätte. Wenn mir jemand vor drei Jahren gesagt hätte, ich würde an einem Cocktail-Wettbewerb teilnehmen, hätte ich nur gelacht. Aber nachdem ich bei allen Cocktails-Dingen auf den Geschmack gekommen war, hatte ich nur ein paar Wochen nach meinem Einführungskurs an der EBS meinen ersten Wettbewerb. Ich war unglaublich nervös und war ein paar mal zu oft auf Toilette, aber als ich dann dran kam, habe ich es einfach eiskalt durchgezogen und mit meinem selbstkreierten Mojito One-Hot-Cooler den dritten Platz belegt.

abo competition

Åbo Open-drink Wettbewerb

Was kommt jetzt?
Jetzt hat mich jetzt das Fernweh gepackt und ich möchte nach Südostasien gehen, um dort Barkeeper-Jobs zu finden. Das Reisen wird wirklich zum Kinderspiel, wenn man überall Geld verdienen kann.